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Quadratisches Pflaster für amorphen Platz

September 2009
Mannheim eröffnet multifunktionalen Stadtteilplatz [CombiStabil]

Aufgrund der siedlungsgeschichtlichen Entwicklung vieler deutscher Großstädte verfügen deren Stadtteile oft über keine oder nur wenig ansprechende Vorortzentren. Gründe hierfür sind z.B. historisch gewachsene Verkehrsführungen oder Industrieansiedlungen, die Ortsteile zerschneiden und auf diese Weise keine zusammenhängenden Ortskernstrukturen für einen Vorort zulassen. In ähnlicher Situation befand sich bis vor kurzem auch der Mannheimer Stadtteil Sandhofen.
Geprägt durch die Ansiedlungen der Zellstoffindustrie entlang des Altrheins und geteilt durch unterschiedlichste Verkehrsadern, fehlte dem Ortsteil der zweitgrößten Stadt Baden-Württembergs seit langem ein zentraler und lebenswerter Ortskern. Im Zuge von Rückbaumaßnahmen der Stadtbahntrasse im Bereich der Endhaltestelle „Am Stich“ entstand nun ein freies Gelände, das diese Funktion in Zukunft wahrnehmen sollte. Größte Herausforderung für die Planer bestand darin, aus der amorphen Fläche, einen ruhigen und attraktiven Stadtteilplatz entstehen zu lassen.

Durch die Verlegung der Stadtbahnendhaltestelle entstand im nördlichsten Stadtteil Mannheims eine Freifläche von ca. 2.500 m², die es zu überplanen galt. Von Seiten der Stadt wünschte man sich einen urbanen Ort, der durch eine geeignete Gestaltung und mit Hilfe von Gastronomie und Gewerbe die Funktion eines attraktiven Stadtteilzentrums einnehmen kann. Hierzu Stadtbaudirektorin Christa Backhaus-Schlegel, Abteilungsleiterin Verkehrswegebau bei der Stadt Mannheim: „Mit der Verlegung der Stadtbahngleise in Sandhofen ergab sich für uns die einmalige Chance, einen attraktiven Platz für unsere Bürger zu gestalten, der alle wichtigen Funktionen eines intakten Ortsteilzentrums wahrnehmen kann. Neben dem Wochenmarkt, den wir hierhin umsiedeln wollen, soll an dieser Stelle mit Hilfe von saisonalen Aktivitäten wie z.B. dem Maibaumfest  und dem Weihnachtsmarkt eine über das Jahr verteilte Bespielung und damit Stärkung des Ortskerns erreicht werden. Auch eine gehobene Gastronomie mit Außenbereich ist geplant.“

Formen, Farben und Verlegemuster strahlen Ruhe aus

Aus diesem Grund kam der Oberflächengestaltung des neuen Platzes eine besondere Rolle zu. Die Entwurfsplanung hierfür lieferte der freie Landschaftsarchitekt Dieter J. Burkard aus Östringen: „Gestalterisch bestand das Ziel darin, den amorph wirkenden Platz in einen ruhigen Rahmen zu setzten“, so Burkard. „Aufgrund seiner dreieckigen Platzform wirkt dieser recht unruhig und bietet wenig optischen Halt. Deshalb suchten wir für die Oberflächenbefestigung nach einem Pflastermaterial, das dem Platz mit Hilfe geeigneter Formen, Farben und Verlegemuster eine gewisse Ruhe gibt. Andererseits war ein Belag gefragt, dem die zu erwartenden Verkehrsbelastungen durch Marktfahrzeuge oder Aufbaukräne für Events nichts anhaben können.“

Für die Befestigung des neuen Platzes entschied man sich für „CombiStabil“ - einem Steinsystem des nahe gelegenen Betonwerks Pfenning aus Lampertheim. Dieses kam in Punkto Format und Oberfläche sehr nah an die Vorstellungen des Planers heran: „Die quadratischen Steine mit 18 cm Seitenlänge geben dem Platz eine gewisse Ordnung und Struktur und wirken der unruhigen Form des Platzes entgegen. Großformatigere Elemente, wie sie heute häufig an vielen anderen Stellen zu sehen sind, kamen hier nicht in Frage, da hiermit die zu bewältigenden Höhendifferenzen nicht zu überwinden gewesen wären.“

Aber auch mit diesen mittelformatigen Steinen wirkt die Fläche dank der Reihenverlegung urban und geordnet. Eine besondere Wirkung wurde auch über die Platzfarbe erzielt. Durch den hellen Gelbton erhält die Fläche eine lockere mediterrane Optik – lediglich die PKW-Stellflächen im Randbereich wurden in anthrazit gestaltet, um mögliche Ölflecken nicht in Erscheinung treten zu lassen.

Besonderer Clou: Auf dem Platz befinden sich Bodenstrahler, die sehr elegant in die Pflasterfläche integriert wurden. Hierzu Burkard: „Licht spielt auf öffentlichen Plätzen immer eine wichtige Rolle. Deshalb haben wir extra für dieses Objekt Pflastersteine mit einer runden Öffnung fertigen lassen, in die Bodenstrahler montiert werden. Unter den Strahlern befinden sich kleine Schächte mit diversen Kabelanschlüssen. Muss mal ein Strahler ausgetauscht werden so ist dies dann ganz problemlos möglich.“

Stabile Fläche dank normgerechter Fuge

Eine andere besondere Eigenschaft des Platzes sieht man diesem auf den ersten Blick gar nicht an: Dank eines patentierten Abstandhaltersystems der Pflastersteine wird die zur regelmäßigen Aufnahme von Verkehrsbelastungen notwendige Fuge systembedingt stets eingehalten. Damit findet zwischen den Steinen stets eine optimale Kraftübertragung statt. Schub- und Horizontalkräfte werden abgepuffert und gleichmäßig in die Tragschichten weitergeleitet.

So ist die Fläche in der Lage, Belastungen z.B. durch Marktfahrzeuge, PKW`s oder Kranwagen, die Bühnen für eine Veranstaltung aufbauen aufzunehmen, ohne dass es zu Verformungen kommt.

Nach nur 10-Monatiger Bauphase war es dann soweit. Im Juni 2009 konnte der neue Sandhofer „Stich“ für die Mannheimer Bürger freigegeben werden. Yvonne Betz, bundesweit erfolgreicher Deutschrockstar aus Mannheim, kam anlässlich der Eröffnung am 13. Juni 2009 auf den „Stich“ und gab diesem die erste musikalische Weihung. Tausende Besucher wippten energetisch mit dem Absatz im Takt und ließen den Boden beben. Auch aus diesem Grund war es sicher gut, dass man sich für ein stabiles Pflastersystem entschieden hat.

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Weitere Bilder zum Objekt

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