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Neues muss nicht neu sein

Mai 2009
Lampertheim saniert seine Lebensader nach historischem Vorbild [CombiStabil]

Bei der Planung von innerstädtischen Straßensanierungsmaßnahmen sind in der Regel Konzepte gefragt, die Neuerungen hervorbringen: Neue Verkehrsführungen, neue Grünflächen, neue Rad- und Gehwege und neuer Platz für den ruhenden Verkehr. Dass hierbei Neues nicht immer neu sein muss, zeigt die im Jahre 2009 umgestaltete Römerstraße in der Spargelstadt Lampertheim im südhessischen Landkreis Bergstraße. Die Verantwortlichen der gut 30.000 Einwohner zählenden Stadt orientierten sich bei der Sanierung ihrer Hauptlebensader an alten Gegebenheiten und erzielten damit eine besonders gute Lösung.

„Die Römerstraße in Lampertheim folgt dem Verlauf der alten römischen Heerstraße zwischen Ladenburg und Worms, die im Jahre 100 nach Christus entstand“, formuliert Erich Schollmeier, Fachdienst Tiefbau der Stadt Lampertheim.
„Aus diesem Grund ist die Straße mit einem Profil von bis zu 30 Metern auch deutlich breiter als andere Hauptstraßen in der Region. Deshalb konnte in den 70er Jahren der Fahrbahnquerschnitt leicht auf 10 Meter ausgebaut werden, um dem wachsenden Verkehrsaufkommen Rechnung zu tragen.“

Ursprüngliche städtische Identität der Straße wieder herstellen

Bis zum Anfang dieses Jahrhunderts hat sich das Straßenbild nicht wesentlich verändert. Der Autoverkehr dominierte, es gab viel Platz für Kreuzungsbereiche und nur wenig Platz für Fußgänger, Radfahrer und den ruhenden Verkehr. Erich Schollmeier: „Das war über lange Jahre ein Zustand, der dem Charme unserer Innenstadt nicht unbedingt gut getan hat. Als dann im Jahre 2004 eine Erneuerung des Hauptkanals erforderlich wurde, war ein guter Zeitpunkt gekommen, um in diesem Zusammenhang auch über eine Sanierung unserer Hauptlebensader nachzudenken. Außerdem war die Römerstraße zwar breit, aber längst nicht mehr der heutigen Verkehrsbelastung gewachsen. Ursprünglich einmal für Bauklasse III und IV gebaut, wäre heute eher eine Auslegung der Straße für Bauklasse II angebracht.“ Aus diesen Beweggründen entschied sich die Stadt dann für eine vollständige Sanierung der rund 2 Kilometer langen Römerstraße und der angrenzenden Stichstraßen. Ziel war es, den Ortskern für Anwohner, Besucher und Durchreisende wieder lebenswerter zu machen. Dabei ging es nicht darum besonders viele neue Strukturen zu entwickeln, sondern die ursprüngliche städtische Identität der Straße wieder herzustellen.

Positive Elemente aus der Vergangenheit in ein neues Planungskonzept einarbeiten

Hierzu Erich Schollmeier: „Gefragt war ein Konzept das sich am historischen Stadtprofil orientierte. Bevor in den 70er Jahren die bekannten Bausünden begangen wurden, verfügte die Römerstraße über einige Eigenschaften, wie sie heute wieder wünschenswert wären. Anhand alter Aufzeichnungen und Fotos hat dann das beauftragte Architekturbüro Oertel & Biehler aus Karlsruhe die positiven Elemente aus der Vergangenheit herausgefiltert und in ein neues Planungskonzept eingearbeitet.“

Dies sah z.B. vor, das Straßenprofil von 10 auf 7 Meter zu reduzieren. Jede Seite erhielt einen eigenen Radweg. An den zahlreichen Zuwegen zu den Häusern in der zweiten Reihe wurden Mündungsbereiche geschaffen, die dank der üppigen Bepflanzung mit Kastanien den alten Platzcharakter dieser Straßenabschnitte wieder aufleben ließen. Nach den Vorstellungen der Planer, sollte auch der ruhende Verkehr in geordnete Bahnen gebracht werden. Parallel zur Straßenachse wurden deshalb Parkflächen angelegt, die ein vorwärts Ausparken ermöglichen.

Optischer Halt durch Verlegung der Straßenachse

„Die Maßnahme mit der größten Wirkung war jedoch die Verlegung der Straßenachse nach Süden“, führt Erich Schollmeier aus. „Dadurch ist es uns gelungen, dem Wegverlauf einen neuen optischen Halt zu geben. Von Westen her führt die Achse heute wieder auf das Rathaus, vom Osten her blickt man geradlinig auf das „Alte Zollhaus“ – genauso, wie es auch zu Zeiten nach dem Krieg war. Beide Gebäude haben besonderen historischen Wert für Lampertheim und entfalten auf diese Weise noch mehr ihre Wirkung auf das städtische Leben.“

Eine besondere Rolle bei der Straßensanierung spielte auch der Belag der neu zu befestigenden Flächen. Neben der Fahrbahn, die als Landstraße ausgewiesen ist sowie Kriterien der Bauklasse II erfüllen muss und deshalb mit Asphalt befestigt wurde, galt es auch noch geeignete Flächenbeläge für die Gehwege, die Stichstraßen, die Parkflächen und das Kirchen- und Rathausumfeld zu bestimmen. „Gefragt war ein Pflasterbelag, der in unser historisches Konzept passte“, so Erich Schollmeier. Die meisten alten Fassaden entlang der Römerstraße sind mit rotem Sandstein gebaut. Deshalb lag unsere farbliche Priorität bei rötlichen Farbtönen. Ebenso wichtig war uns aber auch die Belastbarkeit der Flächen. Jedes Jahr gibt es bei uns eine riesige „Kerwe“, bei der schweres Aufbaugerät zum Einsatz kommt. Außerdem werden die Stichstraßen und Einfahrten täglich von LKW befahren, die die Geschäfte der Innenstadt beliefern. Deshalb suchten wir nach einer Lösung, die gut aussieht und gleichzeitig allen technischen Anforderungen genügt.“

Für die Sanierung der gut 17.000 Quadratmeter umfassenden Flächen entschied man sich für „Combi Stabil“ - einem Steinsystem aus der Einstein-Pflasterfamilie aus dem ortsansässigen Betonwerk Pfenning. „Dieses Steinsystem verbindet Funktionalität und Optik in idealer Weise und erfüllte damit alle gestellten Anforderungen an den Belag“, so Schollmeier.

Einstein-Fugentechnik: ist stabil und passt gut ins Stadtbild

Charakteristisch für dieses Systempflaster sind Verbundelemente, die paarweise so angeordnet sind, dass eine Verschiebung der Steine gegeneinander verhindert wird. Jeweils ein Element eines Verbundelementepaares wird zylindrisch ausgeführt. Das andere verjüngt sich nach oben kegelförmig. Dadurch entstehen Kammern, die Fugenmaterial in allen Korngrößen aufnehmen und eine höchste Verbundwirkung ermöglichen. Eine optimale Kraftübertragung zwischen den Steinen wird dadurch ermöglicht, ohne dass flächig oder linear ein Betonkontakt entsteht. Dadurch bleibt die Elastizität der Pflasterdecke erhalten. Schollmeier: „Dieser Pflasterbelag bietet dank der D-Punkt-Fugensicherung eine optimale Kraftübertragung zwischen den Steinen. Die zur regelmäßigen Aufnahme von Verkehrsbelastungen notwendige Fuge wird systembedingt stets eingehalten. Schub- und Horizontalkräfte werden abgepuffert und gleichmäßig in die Tragschichten weitergeleitet. Deshalb ist dieses Pflaster für unsere Anforderungen besonders gut geeignet.“

Neben den funktionellen Eigenschaften sprachen aber auch optische Gründe für dieses Pflastersystem: Die erdbraunen Farbtöne des Pflasterbelages passen hervorragend zu den roten Granitfassaden entlang der Römerstraße. Andererseits werden dank der gestrahlten Oberfläche und der geradlinigen Formate auch moderne Akzente gesetzt. Mit dem neuen Belag wirkt das Umfeld der Römerstraße heute immer noch sehr schön und neu – auch wenn einige Aspekte gar nicht so neu sind. Informationen über das Steinsystem sind im Internet unter www.einstein-pflastersteine.de abrufbar.

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